Was bedeutet „abgefüllt in Italien“?

„Abgefüllt in Italien“ bedeutet zunächst nur, dass das Olivenöl in Italien in seine Verkaufsverpackung gefüllt wurde. Die Angabe beweist nicht, dass die Oliven aus Italien stammen oder das Öl dort gewonnen wurde. Bei Nativem Olivenöl Extra und Nativem Olivenöl muss deshalb zusätzlich der rechtlich vorgeschriebene Ursprungsort beachtet werden. Erst er gibt Auskunft darüber, woher das Öl im Sinne der EU-Kennzeichnung tatsächlich stammt.

Abgefüllt ist nicht angebaut

Italien und Olivenöl gehören in unseren Köpfen ziemlich selbstverständlich zusammen.

Eine italienische Adresse.

Eine italienische Flagge.

Ein italienischer Name.

Und irgendwo auf der Flasche:

Abgefüllt in Italien.

Das klingt nach Herkunft.

Ist aber zunächst nur ein Produktionsschritt.

Die Angabe sagt, wo das bereits gewonnene Öl in seine Verkaufsverpackung gefüllt wurde.

Sie sagt für sich genommen nicht, wo die Oliven gewachsen sind.

Und auch nicht, wo aus ihnen Öl gewonnen wurde.

Abfüllort und Ursprung sind zwei verschiedene Dinge.

Was bedeutet Ursprung bei Olivenöl?

Für Natives Olivenöl Extra und Natives Olivenöl gelten in der Europäischen Union besondere Regeln zur Herkunftskennzeichnung.

Der Ursprungsort muss auf dem Etikett angegeben werden.

Wird dabei ein einzelner EU-Mitgliedstaat genannt, entspricht dieser Ursprung grundsätzlich dem geografischen Gebiet, in dem zwei Dinge stattgefunden haben:

Die Oliven wurden dort geerntet.

Und die Mühle, in der das Öl aus den Oliven gewonnen wurde, liegt dort.

Steht bei einem Nativem Olivenöl Extra also rechtlich korrekt „Ursprung: Italien“, bedeutet das wesentlich mehr als „abgefüllt in Italien“.

Und wenn Ernte und Mühle in verschiedenen Ländern liegen?

Auch dafür gibt es eine Regel.

Stammen die Oliven aus einem anderen Land als dem, in dem das Öl gewonnen wurde, muss diese Trennung bei der Ursprungsangabe kenntlich gemacht werden.

Ein Öl könnte beispielsweise in Italien aus Oliven gewonnen werden, die in einem anderen EU-Mitgliedstaat geerntet wurden.

Dann darf die Herkunft nicht einfach so dargestellt werden, als seien sowohl Oliven als auch Öl italienischen Ursprungs.

Die Kennzeichnung muss deutlich machen, wo das Öl gewonnen und wo die Oliven geerntet wurden.

Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die tatsächliche Ursprungsangabe.

Kann spanisches Olivenöl in Italien abgefüllt werden?

Natürlich.

Ein Olivenöl kann in Spanien gewonnen, anschließend nach Italien transportiert und dort in Flaschen gefüllt werden.

Auf der Flasche kann dann ein italienischer Abfüllbetrieb stehen.

Das macht aus dem Öl aber kein Olivenöl italienischen Ursprungs.

Dasselbe gilt für Öl aus Griechenland, Portugal oder anderen Ländern.

Die Abfüllung verändert den geografischen Ursprung des nativen Olivenöls nicht.

Eine Reise nach Italien macht aus einer Olive keine Italienerin.

Warum wird Olivenöl überhaupt in einem anderen Land abgefüllt?

Weil Anbau, Ölgewinnung, Handel und Abfüllung unterschiedliche Teile einer Lieferkette sein können.

Große Abfüllbetriebe kaufen oder beziehen Olivenöle aus verschiedenen Regionen und Ländern, lagern sie, stellen gegebenenfalls Mischungen zusammen und füllen sie für unterschiedliche Märkte und Marken ab.

Daran ist grundsätzlich nichts problematisch.

Ein gutes Olivenöl wird nicht schlechter, nur weil es nicht dort abgefüllt wird, wo die Olive gewachsen ist.

Die entscheidende Frage ist eine andere:

Was glauben wir aufgrund der Verpackung über seine Herkunft?

Und stimmt dieser Eindruck mit der tatsächlichen Kennzeichnung überein?

Was bedeutet „italienisches Olivenöl“ dann wirklich?

Bei Nativem Olivenöl Extra und Nativem Olivenöl ist die rechtliche Ursprungsangabe entscheidender als der Sitz des Unternehmens oder der Ort der Abfüllung.

Nennt die vorgeschriebene Ursprungsangabe Italien als einzelnen Mitgliedstaat, müssen die Oliven grundsätzlich dort geerntet und das Öl dort gewonnen worden sein.

Das ist eine deutlich präzisere Information.

Eine italienische Marke dagegen kann Öl aus anderen Ländern verkaufen.

Ein italienischer Abfüller kann Öl aus anderen Ländern abfüllen.

Und eine italienisch gestaltete Verpackung ist ohnehin keine Herkunftsangabe.

Italienisch aussehen und aus Italien stammen sind zwei verschiedene Dinge.

Was ist mit Mischungen aus mehreren Ländern?

Auch dafür sieht die EU eigene Ursprungsangaben vor.

Stammen die enthaltenen nativen Olivenöle aus mehr als einem Mitgliedstaat oder Drittland, kann die Herkunft beispielsweise als

„Mischung von Olivenölen aus der Europäischen Union“

gekennzeichnet werden.

Bei entsprechenden Herkünften außerhalb der EU beziehungsweise aus beiden Bereichen gibt es weitere vorgesehene Formulierungen für Mischungen aus Drittländern oder aus EU- und Drittländern.

Dann erfährt man nicht zwingend, welche einzelnen Länder beteiligt sind.

Aber man erfährt, dass das Öl nicht als Ursprung eines einzigen Mitgliedstaats ausgewiesen wird.

Was genau hinter solchen EU-Blends steckt, behandeln wir separat.

Und was ist mit DOP oder IGP?

Hier wird Herkunft konkreter.

Eine DOP oder IGP verweist auf eine registrierte geografische Angabe mit einer eigenen Produktspezifikation.

Bei DOP ist die Verbindung zum Ort besonders eng: Rohstoffe und die vorgeschriebenen Produktionsschritte sind an das definierte geografische Gebiet gebunden.

IGP erlaubt eine weniger umfassende geografische Bindung, schützt aber ebenfalls eine konkret definierte Verbindung zwischen Produkt und Ort.

Ein Hinweis wie „abgefüllt in Italien“ kann damit nicht verglichen werden.

DOP und IGP beschreiben geschützte geografische Herkunftssysteme.

„Abgefüllt in Italien“ beschreibt einen Vorgang.

Worauf sollte man auf der Flasche achten?

Nicht nur auf die größte geografische Botschaft.

Sondern auf die präziseste.

Bei Nativem Olivenöl Extra und Nativem Olivenöl ist die Ursprungsangabe besonders relevant.

Steht dort ein einzelnes Land?

Eine DOP oder IGP?

Eine Mischung aus Olivenölen verschiedener EU-Länder?

Eine Mischung aus Drittländern?

Oder aus EU- und Nicht-EU-Ländern?

Daneben können Angaben zu Region, Produzent, Olivensorten oder Ernte zusätzliche Transparenz schaffen, sofern sie vorhanden und korrekt verwendet werden.

Der Abfüllort kann ebenfalls interessant sein.

Er beantwortet nur eine andere Frage.

Ist in Italien abgefülltes Öl schlechter?

Nein.

Der Abfüllort ist für sich genommen kein Qualitätsurteil.

Ein hervorragendes spanisches Olivenöl bleibt ein hervorragendes spanisches Olivenöl, wenn es in Italien abgefüllt wird.

Und ein italienisch abgefülltes Öl ist nicht automatisch hochwertig, nur weil Italien auf der Flasche steht.

Herkunft und Qualität hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Das Problem beginnt nicht bei der Abfüllung.

Es beginnt dort, wo wir Abfüllung mit Herkunft verwechseln.

Was bedeutet „abgefüllt in Italien“ also?

Genau das, was dort steht.

Das Öl wurde in Italien abgefüllt.

Nicht mehr.

Aber auch nicht weniger.

Wer wissen möchte, woher ein Natives Olivenöl Extra tatsächlich stammt, sollte nach der Ursprungsangabe suchen.

Denn zwischen Baum und Flasche liegen mehrere Schritte.

Ernte.

Mühle.

Transport.

Möglicherweise Mischung.

Abfüllung.

Das Etikett kann über jeden davon etwas anderes erzählen.

„Abgefüllt in Italien“ beantwortet die Frage: Wo kam das Öl in die Flasche?

Nicht: Wo begann seine Geschichte?

Quellen

eur-lex.europa.eu eur-lex.europa.eu
WISSEN – Answers worth knowing.