Wann werden Oliven geerntet?

Oliven für Olivenöl werden geerntet, wenn sie einen Reifegrad erreicht haben, der zum gewünschten Öl passt. Im Mittelmeerraum liegt die Ernte typischerweise im Herbst und Winter, der genaue Zeitpunkt hängt jedoch von Region, Sorte, Wetter und Jahrgang ab. Frühere Ernten ergeben häufig grünere, bitterere und pikantere Öle mit höheren Phenolgehalten, aber geringerer Ölausbeute. Spätere Ernten können mehr Öl liefern und sensorisch milder ausfallen.

Es gibt keinen Erntetag für Oliven

Wein hat seine Lese.

Oliven haben ihre Ernte.

Und wie beim Wein entscheidet der Zeitpunkt mit darüber, was später in der Flasche landet.

Nur gibt es keinen universellen Moment, an dem eine Olive „fertig“ ist.

Eine Sorte kann früher reifen.

Eine andere später.

Ein heißes Jahr kann die Entwicklung verändern.

Regen ebenfalls.

Standort, Wasserversorgung und Anbaubedingungen spielen mit hinein.

Deshalb lässt sich die Frage „Wann werden Oliven geerntet?“ nicht mit einem einzigen Datum beantworten.

Die bessere Frage lautet:

Welches Öl soll aus ihnen entstehen?

Woran erkennt man, dass eine Olive reift?

Unter anderem an ihrer Farbe.

Oliven beginnen gewöhnlich grün.

Während der Reifung verändert sich die Schale. Sie kann sich von Grün über gelblich-grüne und violette Stadien bis hin zu dunklem Violett oder Schwarz entwickeln.

Später verändert sich auch das Fruchtfleisch.

Diese Phase des Farbwechsels wird häufig als Veraison bezeichnet.

Die Farbe ist ein sichtbarer Hinweis auf den Reifeprozess.

Aber sie ist nicht die ganze Geschichte.

Denn gleichzeitig verändern sich im Inneren der Frucht Ölgehalt, Wassergehalt, phenolische Verbindungen und zahlreiche weitere Eigenschaften.

Die Olive wird nicht einfach nur dunkler.

Sie wird zu einem anderen Rohstoff.

Warum erntet man Oliven überhaupt früh?

Weil aus weniger reifen Oliven Öle mit bestimmten Eigenschaften entstehen können.

Früh geerntete Oliven ergeben häufig Öle mit ausgeprägten grünen Aromen.

Gras.

Grüne Tomate.

Artischocke.

Kräuter.

Auch Bitterkeit und Pikanz können stärker ausgeprägt sein.

Studien zeigen zudem häufig höhere Gehalte bestimmter phenolischer Verbindungen bei früheren Reifestadien. Diese Verbindungen tragen unter anderem zu Bitterkeit, Pikanz und oxidativer Stabilität bei.

Aber:

Früh ist nicht automatisch besser.

Denn Sorte, Klima und Jahrgang beeinflussen, wie sich diese Stoffe während der Reifung entwickeln.

Bei manchen Sorten erreicht der Phenolgehalt seinen Höhepunkt nicht zum frühestmöglichen Erntezeitpunkt, sondern erst später.

Die richtige Ernte beginnt deshalb nicht mit einer Kalenderregel.

Sondern mit Beobachtung.

Was kostet eine frühe Ernte?

Vor allem Ausbeute.

Während sich die Olive entwickelt, verändert sich auch ihr Ölgehalt beziehungsweise die technisch erzielbare Ölmenge.

Wer früh erntet, kann deshalb für dieselbe Menge Olivenöl mehr Früchte benötigen als bei einer späteren Ernte.

Das macht frühe Ernten wirtschaftlich anspruchsvoller.

Gleichzeitig können die Früchte fester sitzen und schwieriger zu ernten sein.

Der Produzent trifft also eine Entscheidung.

Mehr Ertrag.

Oder ein bestimmtes sensorisches und chemisches Profil.

Dazwischen liegen viele mögliche Zeitpunkte.

Ernte ist immer auch Abwägung.

Was passiert bei einer späteren Ernte?

Mit fortschreitender Reife verändert sich der Charakter des Öls.

Grüne Aromen können zurückgehen.

Bitterkeit und Pikanz werden häufig milder.

Andere, reifere aromatische Eindrücke können stärker hervortreten.

Gleichzeitig kann die erzielbare Ölausbeute steigen.

Auch die Zusammensetzung phenolischer Verbindungen verändert sich während der Reifung und nimmt bei vielen Sorten in späteren Stadien insgesamt ab.

Das bedeutet jedoch nicht:

spät = schlecht.

Genau wie früh nicht automatisch gut bedeutet.

Ein Produzent kann bewusst einen späteren Zeitpunkt wählen, weil dieser besser zu Sorte, Stil und gewünschtem Geschmacksprofil passt.

Problematisch wird es eher, wenn Früchte überreif, beschädigt oder bereits qualitativ beeinträchtigt verarbeitet werden.

Gibt es einen optimalen Reifegrad?

Ja.

Aber nicht den optimalen Reifegrad für jedes Olivenöl.

Der International Olive Council beschreibt Verfahren, mit denen Produzenten die Entwicklung der Früchte verfolgen können.

Dazu gehört der sogenannte Reifeindex oder Maturity Index.

Dabei werden Oliven anhand der Farbe von Schale und Fruchtfleisch verschiedenen Reifestufen zugeordnet.

Solche Messungen können zusammen mit weiteren Informationen helfen, den Erntezeitpunkt zu bestimmen.

Ölgehalt.

Extraktionsfähigkeit.

Sensorisches Profil.

Chemische Eigenschaften.

Zustand der Früchte.

Und natürlich Erfahrung.

Neuere Untersuchungen zeigen zugleich, dass selbst solche Reifeindikatoren nicht für jede Sorte und jede Saison gleich gut funktionieren.

Der optimale Erntezeitpunkt bleibt eine Entscheidung, die den konkreten Bestand berücksichtigen muss.

Wie wir diesen Zeitpunkt bei ORIGINE bestimmen

Bei ORIGINE orientieren wir die Ernte deshalb nicht an einem festen Datum, sondern am Zustand der Früchte.

Geerntet wird während der Veraison. In jener Phase, in der die Oliven beginnen, ihre Farbe zu verändern.

Nicht jeder Baum erreicht diesen Punkt gleichzeitig.

Selbst benachbarte Bäume können sich um Tage unterscheiden.

Deshalb wird der Reifegrad im Hain differenziert beurteilt und der Erntezeitpunkt entsprechend gewählt.

Dabei geht es nicht darum, möglichst früh zu ernten. Sondern den Punkt zu treffen, an dem Sorte, Reifegrad, Wetter und Lage im Hain zu dem Profil passen, das ORIGINE haben soll.

Früher könnte weniger Ausbeute bedeuten.

Später mehr Volumen.

Beides könnte ein gutes Öl ergeben.

Aber nicht dasselbe Öl.

ORIGINE entsteht nicht möglichst früh.

Sondern möglichst präzise.

Werden alle Oliven eines Baumes gleichzeitig reif?

Nein.

Und genau das macht die Sache interessanter.

An einem Baum können gleichzeitig unterschiedlich weit entwickelte Früchte hängen.

Sonneneinstrahlung.

Position in der Krone.

Wasser.

Fruchtbehang.

Und andere Faktoren beeinflussen ihre Entwicklung.

Auch innerhalb eines Olivenhains können Unterschiede entstehen.

Deshalb ist Ernteplanung keine exakte Wissenschaft mit einem einzigen perfekten Moment.

Sie ist die Entscheidung für ein Zeitfenster.

Man versucht, den Punkt zu treffen, an dem möglichst viele Früchte dem gewünschten Profil entsprechen.

Sind grüne Oliven eine andere Sorte als schwarze?

Nicht zwangsläufig.

Das ist ein verbreitetes Missverständnis.

Grün und schwarz können unterschiedliche Reifestadien derselben Olivensorte beschreiben.

Eine zunächst grüne Olive kann sich während der Reifung verfärben und schließlich dunkel werden.

Natürlich unterscheiden sich Olivensorten grundsätzlich voneinander.

Aber die Farbe allein definiert keine Sorte.

Sie kann schlicht erzählen, wie weit eine Frucht in ihrer Reifung ist.

Wann findet die Ernte statt?

In vielen Olivenregionen der nördlichen Hemisphäre beginnt die Ölolivenernte im Herbst und kann sich bis in den Winter erstrecken.

Ein starres Monatsfenster wäre jedoch irreführend.

Region.

Höhenlage.

Sorte.

Wetter.

Anbausystem.

Jahrgang.

Und gewünschter Ölcharakter verändern den Zeitpunkt.

Eine frühe Ernte in Sizilien kann deshalb zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden als eine frühe Ernte weiter nördlich.

Und selbst derselbe Olivenhain kann in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nicht exakt am gleichen Datum erntereif sein.

Die Olive kennt keinen Kalender.

Ist die Ernte beendet, sobald die Olive vom Baum ist?

Für den Baum.

Nicht für die Qualität.

Nach der Ernte beginnt eine empfindliche Phase.

Oliven sind Früchte.

Sie atmen weiter.

Sie können beschädigt werden.

Fermentation und andere unerwünschte Veränderungen können einsetzen.

Deshalb ist nicht nur wichtig, wann geerntet wird.

Sondern auch, was danach passiert.

Wie die Früchte geerntet werden.

Wie sie transportiert werden.

Wie lange sie warten.

Und wie schnell sie verarbeitet werden.

Eine hervorragend geerntete Olive kann durch schlechte Behandlung nach der Ernte Qualität verlieren.

Der richtige Erntezeitpunkt schafft Potenzial.

Er garantiert noch kein gutes Öl.

Wann sollte man Oliven also ernten?

Wenn ihre Reife zu dem Öl passt, das man herstellen möchte.

Nicht möglichst früh.

Nicht möglichst spät.

Sondern bewusst.

Frühe Ernte kann grüne Aromen, Bitterkeit, Pikanz und hohe Phenolgehalte begünstigen.

Spätere Ernte kann höhere Ausbeuten und einen reiferen, häufig milderen Charakter ermöglichen.

Dazwischen liegt kein universell perfekter Zeitpunkt.

Sondern eine Entscheidung über Charakter.

Man erntet eine Olive nicht einfach, wenn sie reif ist.

Man erntet sie, wenn sie richtig ist für das Öl, das entstehen soll.

Quellen

www.internationaloliveoil.org doi.org doi.org doi.org
WISSEN – Answers worth knowing.