Drei Buchstaben für einen Ort
Auf italienischen Olivenölen findet man manchmal drei Buchstaben:
DOP.
Sie stehen für Denominazione di Origine Protetta.
In Deutschland heißt dasselbe EU-System geschützte Ursprungsbezeichnung, abgekürzt g.U.
Auf Englisch lautet die Bezeichnung Protected Designation of Origin, kurz PDO.
DOP, g.U. und PDO bezeichnen also nicht drei verschiedene Zertifizierungen.
Es ist dasselbe europäische Schutzsystem in unterschiedlichen Sprachen.
Was wird durch eine DOP geschützt?
Zunächst der Name.
Eine geschützte Ursprungsbezeichnung verbindet ein bestimmtes Produkt mit einem klar definierten geografischen Gebiet.
Damit ein Lebensmittel als DOP beziehungsweise g.U. registriert werden kann, muss seine Verbindung zu diesem Ort besonders eng sein.
Für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel gilt grundsätzlich:
Die Rohstoffe müssen aus dem definierten Gebiet stammen.
Und sämtliche relevanten Schritte von Erzeugung, Verarbeitung und Zubereitung müssen dort stattfinden.
Bei einem DOP-Olivenöl bedeutet das vereinfacht:
Die Olive kommt aus der Region. Das Öl entsteht in der Region.
Aber die Herkunft allein reicht noch nicht.
Jede DOP hat ihre eigenen Regeln
DOP ist kein einziges Regelwerk, nach dem sämtliche zertifizierten Olivenöle Europas hergestellt werden.
Jede geschützte Ursprungsbezeichnung besitzt eine eigene Produktspezifikation.
Darin wird festgelegt, was ein Produkt erfüllen muss, um den geschützten Namen tragen zu dürfen.
Bei Olivenöl können solche Vorgaben beispielsweise betreffen:
das geografische Produktionsgebiet,
zulässige Olivensorten und deren Anteile,
Anbau- und Erntebedingungen,
Verarbeitungsverfahren,
chemische Eigenschaften,
sensorische Merkmale,
Erträge,
Abfüllung oder Kennzeichnung.
Welche Anforderungen konkret gelten, hängt von der jeweiligen DOP ab.
Deshalb sagt „DOP“ allein noch nicht, wie ein Öl hergestellt wurde.
Dafür muss man wissen, welche DOP gemeint ist.
Warum gibt es dieses System?
Weil Herkunft mehr sein kann als eine Adresse.
Bestimmte Lebensmittel sind über lange Zeit mit Landschaften, Sorten, Klima, lokalen Produktionsmethoden und Wissen verbunden.
Parmigiano Reggiano.
Prosciutto di Parma.
Champagne folgt bei Wein einem verwandten europäischen Herkunftsschutz.
Und auch zahlreiche Olivenöle tragen geschützte Ursprungsbezeichnungen.
Das europäische System soll solche geografischen Namen vor missbräuchlicher Verwendung schützen und dafür sorgen, dass ein Produkt, das einen geschützten Namen trägt, tatsächlich den festgelegten Ursprung und die dazugehörige Spezifikation erfüllt.
Der Ort wird damit nicht zur Geschichte auf dem Etikett.
Er wird Teil der Regeln.
Was bedeutet das konkret bei Olivenöl?
Nehmen wir ein fiktives Beispiel.
Eine Region besitzt eine geschützte Ursprungsbezeichnung für ihr Olivenöl.
Dann reicht es nicht, Oliven aus irgendeinem Teil Italiens zu kaufen, das Öl an diesem Ort abzufüllen und anschließend den Namen der Region prominent auf die Flasche zu schreiben.
Für die geschützte Bezeichnung muss das Öl die Vorgaben der konkreten Produktspezifikation erfüllen.
Das betrifft sowohl seine geografische Herkunft als auch die dort festgelegten Produktionsbedingungen und Eigenschaften.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer allgemeinen Herkunftsangabe und einer geschützten Ursprungsbezeichnung.
Bedeutet DOP automatisch Natives Olivenöl Extra?
Das hängt von der jeweiligen geschützten Produktspezifikation ab.
Bei vielen bekannten DOP-Olivenölen ist Natives Olivenöl Extra Teil der Produktspezifikation.
Dann muss das Öl zunächst sämtliche gesetzlichen Anforderungen dieser höchsten Güteklasse erfüllen und zusätzlich die strengeren beziehungsweise spezifischeren Anforderungen seiner DOP.
DOP ersetzt die Güteklasse also nicht.
Es ergänzt sie um eine definierte Herkunft und weitere produktspezifische Vorgaben.
Auf einer Flasche können deshalb beide Informationen nebeneinanderstehen:
Natives Olivenöl Extra.
Und:
Denominazione di Origine Protetta.
Sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Das eine beschreibt die Güteklasse.
Das andere die geschützte Verbindung zum Ort.
Ist DOP ein Qualitätssiegel?
Ja und nein.
DOP ist ein EU-Qualitätssystem und steht für kontrollierte Herkunft und die Einhaltung einer definierten Produktspezifikation.
Aber daraus sollte man nicht ableiten:
DOP = schmeckt automatisch besser.
Ein hervorragendes Olivenöl kann aus einer DOP stammen.
Ein hervorragendes Olivenöl kann aber auch außerhalb eines DOP-Systems produziert werden.
Ein Produzent kann bewusst nicht Teil einer geschützten Ursprungsbezeichnung sein oder in einer Region arbeiten, für die keine entsprechende DOP existiert.
DOP beantwortet deshalb vor allem eine andere Frage:
Nicht:
Ist das das beste Olivenöl?
Sondern:
Ist dieses Produkt nachweislich mit genau diesem geschützten Ursprung und seinen Regeln verbunden?
Kann man sich auf die Herkunft verlassen?
Genau dafür existiert das System.
Geschützte geografische Angaben werden in der Europäischen Union registriert. Die jeweiligen Produktspezifikationen definieren, welche Anforderungen ein Produkt erfüllen muss.
Nur Produkte, die unter der entsprechenden geschützten Bezeichnung hergestellt werden und die Vorgaben erfüllen, dürfen den registrierten Namen verwenden.
Die geschützten Bezeichnungen und ihre rechtlichen Registrierungsdaten können über die offiziellen EU-Register wie eAmbrosia nachvollzogen werden.
Wer bei einem Produkt genauer wissen möchte, was eine bestimmte DOP tatsächlich garantiert, kann dort die konkrete Bezeichnung und ihre Spezifikation recherchieren.
Das ist wesentlich aussagekräftiger als das Siegel allein.
Was ist der Unterschied zwischen DOP und IGP?
Beide schützen die geografische Verbindung eines Produkts.
Aber unterschiedlich streng.
Bei DOP / g.U. müssen die Rohstoffe aus der definierten Region stammen und alle relevanten Produktionsschritte dort stattfinden.
Bei IGP / g.g.A., der geschützten geografischen Angabe, genügt grundsätzlich eine weniger umfassende Verbindung: Mindestens eine der Produktions-, Verarbeitungs- oder Zubereitungsstufen muss in dem betreffenden geografischen Gebiet stattfinden.
DOP bindet ein Produkt damit enger an seinen Ort.
Was IGP genau bedeutet und warum auch diese Bezeichnung relevant sein kann, behandeln wir separat.
Was sagt DOP also über ein Olivenöl?
Mehr als nur:
aus Italien.
Eine DOP nennt einen konkreteren Ort.
Sie schützt dessen Namen.
Sie definiert Regeln für das Produkt.
Und sie macht Herkunft überprüfbarer.
Was sie nicht kann, ist persönlichen Geschmack ersetzen.
Ein DOP-Siegel sagt nicht, ob ein bestimmtes Öl das Lieblingsöl eines Menschen wird.
Aber es macht aus Herkunft etwas, das überprüft werden kann.
DOP bedeutet nicht einfach: von dort.
Es bedeutet: von dort, nach den Regeln von dort.