IGP schützt eine Verbindung zum Ort
Neben DOP findet man auf italienischen Lebensmitteln noch eine zweite Abkürzung:
IGP.
Sie steht für Indicazione Geografica Protetta.
In Deutschland heißt dieselbe EU-Kategorie geschützte geografische Angabe, abgekürzt g.g.A.
Auf Englisch lautet die Bezeichnung Protected Geographical Indication, kurz PGI.
Drei Sprachen.
Dasselbe europäische Schutzsystem.
Was bedeutet IGP genau?
Eine IGP schützt den Namen eines Produkts, das mit einem bestimmten geografischen Gebiet verbunden ist.
Diese Verbindung muss mehr sein als eine Adresse.
Nach EU-Recht muss eine bestimmte Qualität, das Ansehen oder eine andere Eigenschaft des Produkts wesentlich auf seinen geografischen Ursprung zurückzuführen sein.
Gleichzeitig muss mindestens ein Produktionsschritt im definierten geografischen Gebiet stattfinden.
Das kann die Erzeugung sein.
Die Verarbeitung.
Oder die Zubereitung.
Welche Bedingungen konkret gelten, bestimmt die Produktspezifikation der jeweiligen IGP.
IGP bedeutet deshalb nicht einfach: irgendwo in dieser Region bearbeitet.
Es bedeutet: Das Produkt besitzt eine definierte und geschützte Verbindung zu diesem Ort.
Was ist der Unterschied zu DOP?
Vor allem die Tiefe dieser Verbindung.
Bei einer DOP / g.U. müssen grundsätzlich sämtliche Produktionsschritte im definierten geografischen Gebiet stattfinden.
Bei einer IGP / g.g.A. muss mindestens einer dieser Schritte dort stattfinden.
Das macht DOP geografisch enger.
Aber IGP nicht bedeutungslos.
Ein gutes Beispiel außerhalb von Olivenöl ist Westfälischer Knochenschinken IGP. Er wird nach den festgelegten Verfahren in Westfalen hergestellt, das verwendete Fleisch muss jedoch nicht ausschließlich von Tieren stammen, die dort geboren und aufgezogen wurden.
Der geschützte Zusammenhang liegt hier also stärker in Verarbeitung, Tradition und Reputation der Region.
Bei jedem IGP-Produkt muss deshalb die konkrete Spezifikation betrachtet werden.
Bedeutet IGP, dass die Oliven aus der Region kommen?
Nicht automatisch.
Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zu DOP.
Aus dem IGP-Siegel allein lässt sich nicht ableiten, dass sämtliche verwendeten Rohstoffe aus dem geschützten geografischen Gebiet stammen.
Ob und welche Herkunftsvorgaben für die Oliven gelten, steht in der jeweiligen Produktspezifikation.
Eine konkrete IGP kann strengere Regeln vorsehen als das allgemeine gesetzliche Minimum.
Deshalb sollte man aus der Abkürzung allein nicht mehr herauslesen, als sie tatsächlich garantiert.
Das Siegel nennt die Art des Schutzes. Die Spezifikation erklärt, was genau geschützt wird.
Hat jede IGP ihre eigenen Regeln?
Ja.
Wie bei DOP besitzt auch eine IGP eine konkrete Produktspezifikation.
Sie definiert unter anderem das geografische Gebiet und beschreibt das Produkt sowie seine Verbindung mit der Region.
Je nach geschützter Bezeichnung können weitere Anforderungen hinzukommen.
Bei Olivenöl können das beispielsweise bestimmte Olivensorten, Produktionsmethoden, analytische Eigenschaften, sensorische Merkmale oder Regeln für Kennzeichnung und Verarbeitung sein.
IGP ist deshalb kein europaweit identisches Rezept für Olivenöl.
Es ist ein rechtlicher Rahmen für individuell definierte geografische Produkte.
Ist IGP weniger wert als DOP?
Diese Frage führt leicht in die falsche Richtung.
DOP verlangt grundsätzlich eine engere geografische Bindung des gesamten Produktionsprozesses.
IGP erlaubt eine andere Form der Verbindung zwischen Produkt und Ort.
Daraus folgt aber keine automatische Rangliste des Geschmacks.
DOP ist nicht automatisch besser als IGP.
Und IGP ist nicht automatisch schlechter.
Beide Systeme beantworten zunächst Fragen nach Herkunft, geografischer Verbindung und Produktspezifikation.
Nicht danach, welches Öl einem Menschen besser schmecken wird.
Ein hervorragendes Öl kann DOP-zertifiziert sein.
Ein hervorragendes Öl kann IGP-zertifiziert sein.
Und ein hervorragendes Öl kann ganz ohne eine dieser geschützten Bezeichnungen produziert werden.
Ist IGP ein Qualitätssiegel?
IGP gehört zu den europäischen Systemen für geografische Angaben und schützt Produkte mit einer nachgewiesenen Verbindung zu einem bestimmten geografischen Ursprung.
Damit verbunden sind eine registrierte Produktspezifikation und Kontrollen ihrer Einhaltung.
Aber auch hier sollte man Qualität präzise verstehen.
Das Siegel garantiert nicht, dass ein Produkt sensorisch jedem anderen vergleichbaren Produkt überlegen ist.
Es garantiert die geschützte geografische Identität des Produkts innerhalb der für diese IGP festgelegten Regeln.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
IGP schützt Herkunft und Reputation. Nicht persönlichen Geschmack.
Warum ist IGP trotzdem interessant?
Weil Lebensmittel nicht immer nach dem Prinzip funktionieren, dass vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt alles innerhalb derselben geografischen Grenze stattfinden muss.
Manchmal liegt das Besondere eines Produkts gerade in einem Verarbeitungsschritt.
In lokalem Wissen.
In einer über lange Zeit entstandenen Herstellungsweise.
Oder in einer Reputation, die eng mit einem Ort verbunden ist.
IGP kann solche Zusammenhänge schützen, ohne vorauszusetzen, dass jeder einzelne Produktionsschritt dort stattfindet.
Die Verbindung zum Ort ist damit flexibler als bei DOP.
Aber sie muss weiterhin begründet sein.
Wo kann man prüfen, was eine bestimmte IGP bedeutet?
Nicht auf der Vorderseite der Flasche.
Zumindest nicht vollständig.
Die genaue Antwort findet sich in der registrierten Produktspezifikation der jeweiligen geografischen Angabe.
Die Europäische Union führt dafür offizielle Register. Dort lassen sich geschützte Namen und die dazugehörigen rechtlichen Informationen nachvollziehen.
Das ist besonders hilfreich, wenn man wissen möchte, welche Olivensorten zulässig sind, wie das geografische Gebiet definiert ist oder welche Produktionsschritte tatsächlich dort stattfinden müssen.
Zwei Produkte können beide IGP tragen und dennoch nach sehr unterschiedlichen Regeln hergestellt werden.
Der Name der konkreten IGP ist deshalb wichtiger als die drei Buchstaben allein.
Was sagt IGP also über ein Olivenöl?
Dass seine Verbindung zu einem bestimmten geografischen Gebiet rechtlich definiert und geschützt ist.
Dass mindestens ein vorgeschriebener Produktionsschritt dort stattfindet.
Und dass eine Qualität, ein Ansehen oder eine andere Eigenschaft des Produkts wesentlich mit diesem geografischen Ursprung verbunden sein muss.
Es sagt nicht automatisch, dass sämtliche Oliven aus dieser Region stammen.
Es sagt nicht, dass jeder Produktionsschritt dort stattgefunden hat.
Und es sagt nicht, dass dieses Öl besser schmeckt als eines ohne IGP.
IGP bedeutet nicht: alles kommt von dort.
Es bedeutet: Etwas Wesentliches verbindet dieses Produkt mit genau diesem Ort.