Was ist ein EU-Blend?

Als EU-Blend bezeichnet man vereinfacht ein Olivenöl, das aus nativen Olivenölen mit Ursprung in mehr als einem EU-Mitgliedstaat zusammengestellt wurde. Auf dem Etikett kann die Herkunft beispielsweise als „Mischung von Olivenölen aus der Europäischen Union“ angegeben werden. Welche einzelnen Länder beteiligt sind, muss aus dieser Sammelangabe nicht hervorgehen. Ein EU-Blend kann qualitativ gut sein. Die Bezeichnung sagt zunächst etwas über die Herkunft, nicht über die Güte.

Ein Blend ist zunächst eine Mischung

Blend klingt nach Wein.

Oder Whisky.

Bei Olivenöl bedeutet es zunächst dasselbe Grundprinzip:

Verschiedene Öle werden miteinander kombiniert.

Das können Öle unterschiedlicher Olivensorten sein.

Aus unterschiedlichen Erntepartien.

Von verschiedenen Produzenten.

Oder aus verschiedenen Ländern.

Wenn wir hier von einem EU-Blend sprechen, meinen wir den letzten Fall:

Eine Mischung nativer Olivenöle mit Ursprung in mehr als einem Mitgliedstaat der Europäischen Union.

Steht „EU-Blend“ so auf der Flasche?

Nicht unbedingt.

„EU-Blend“ ist eine verständliche Kurzform für das Prinzip.

Die EU-Verordnung sieht für Mischungen nativer Olivenöle aus mehr als einem Mitgliedstaat als Ursprungsangabe beispielsweise die Formulierung

„Mischung von Olivenölen aus der Europäischen Union“

oder einen entsprechenden Verweis auf die Union vor.

Auf einer Flasche muss deshalb nicht das Wort „Blend“ stehen.

Entscheidend ist die Ursprungsangabe.

Was bedeutet die Angabe konkret?

Dass das Öl nicht als Ursprung eines einzigen EU-Mitgliedstaats ausgewiesen wird.

Die Mischung kann beispielsweise native Olivenöle aus Spanien und Portugal enthalten.

Oder aus Italien und Griechenland.

Oder aus mehreren EU-Ländern.

Welche Kombination tatsächlich in einer bestimmten Flasche steckt, lässt sich aus der allgemeinen Ursprungsangabe „Europäische Union“ allein nicht ablesen.

Sie sagt uns:

Die enthaltenen Öle stammen aus der EU.

Und bei einer entsprechenden Mischung aus mehr als einem Mitgliedstaat.

Sie sagt uns nicht zwingend:

aus welchen.

Können sich die Länder von Charge zu Charge ändern?

Das ist grundsätzlich möglich, sofern das jeweilige Produkt weiterhin sämtliche rechtlichen Anforderungen und seine deklarierte Herkunft erfüllt.

Ein Hersteller kann Mischungen so zusammenstellen, dass ein gewünschtes sensorisches, analytisches oder wirtschaftliches Profil erreicht wird.

Welche Öle dafür eingesetzt werden, kann von Verfügbarkeit, Ernte, Preis, gewünschtem Geschmack und anderen Faktoren abhängen.

Eine allgemeine EU-Ursprungsangabe lässt dafür mehr geografischen Spielraum als die Festlegung auf einen einzelnen Mitgliedstaat oder eine geschützte regionale Herkunft.

Ob ein konkreter Hersteller diesen Spielraum tatsächlich nutzt, lässt sich aus der Bezeichnung allein allerdings nicht erkennen.

Warum mischt man Olivenöle überhaupt?

Mischen ist nicht automatisch ein Versuch, etwas zu verstecken.

Es ist ein etabliertes Werkzeug der Lebensmittelproduktion.

Ein Blend kann dazu dienen, sensorische Eigenschaften auszubalancieren.

Ein kräftigeres Öl kann mit einem milderen kombiniert werden.

Unterschiedliche aromatische Profile können sich ergänzen.

Auch größere Mengen mit möglichst konsistentem Profil lassen sich durch das Zusammenstellen verschiedener Partien besser erreichen.

Hinzu kommen Verfügbarkeit und Preis.

Oliven sind ein landwirtschaftliches Produkt. Erntemengen und Eigenschaften verändern sich von Jahr zu Jahr und von Region zu Region.

Blending kann helfen, mit diesen Schwankungen umzugehen.

Ist ein EU-Blend schlechter als ein Öl aus einem Land?

Nein.

Aus der Herkunftsangabe allein lässt sich das nicht ableiten.

Ein Blend kann aus mehreren hervorragenden Ölen bestehen.

Und ein Öl aus einem einzigen Land kann mittelmäßig sein.

Die geografische Breite einer Mischung ist keine Qualitätsanalyse.

Bei Nativem Olivenöl Extra muss auch ein Blend die gesetzlichen chemischen und sensorischen Anforderungen dieser Güteklasse erfüllen, wenn er unter dieser Bezeichnung verkauft wird.

Ein EU-Blend kann deshalb vollkommen korrekt ein Natives Olivenöl Extra sein.

Blend beschreibt die Zusammenstellung. Nativ Extra die Güteklasse.

Warum wirkt ein Single-Origin-Öl trotzdem anders?

Weil es eine andere Art von Information liefert.

Wenn die Oliven aus einem klar definierten Gebiet stammen und das Öl dort gewonnen wurde, lässt sich das Produkt geografisch genauer verorten.

Bestimmte Sorten.

Ein Klima.

Eine Landschaft.

Ein Erntejahr.

Vielleicht sogar ein einzelner Produzent oder eine einzelne Mühle.

Das bedeutet nicht automatisch höhere Qualität.

Aber es bedeutet mehr geografische Spezifität.

Ein EU-Blend kann geschmacklich ausgezeichnet sein und trotzdem weniger darüber erzählen, aus welchen konkreten Orten seine Bestandteile stammen.

Das ist kein Widerspruch.

Qualität und Transparenz sind unterschiedliche Dimensionen.

Ist ein Blend dasselbe wie ein Sortenblend?

Nein.

Hier lohnt es sich, zwei Dinge auseinanderzuhalten.

Ein Öl kann aus mehreren Olivensorten bestehen und trotzdem vollständig aus einer einzigen Region stammen.

Cerasuola, Nocellara und Biancolilla können beispielsweise gemeinsam in einem Öl vorkommen, ohne dass daraus ein EU-Blend wird.

Umgekehrt können Öle derselben Olivensorte aus verschiedenen Ländern zusammengestellt werden.

„Blend“ sagt deshalb ohne weiteren Kontext noch nicht, was miteinander gemischt wurde.

Bei der Bezeichnung EU-Blend geht es um unterschiedliche geografische Ursprünge innerhalb der Europäischen Union.

Nicht automatisch um unterschiedliche Olivensorten.

Was ist mit Ölen von außerhalb der EU?

Auch dafür gibt es eigene Ursprungsangaben.

Bei Mischungen nativer Olivenöle aus mehreren Drittländern sieht die EU beispielsweise die Angabe

„Mischung von Olivenölen aus Drittländern“

beziehungsweise einen entsprechenden Verweis auf den Drittlandsursprung vor.

Und wenn eine Mischung sowohl Öle aus der Europäischen Union als auch aus Drittländern enthält, kann sie als

„Mischung von Olivenölen aus der Europäischen Union und aus Drittländern“

beziehungsweise entsprechend mit Verweis auf beide Ursprungsbereiche gekennzeichnet werden.

Das System unterscheidet also grundsätzlich drei Fälle:

nur EU,

nur außerhalb der EU,

oder beides zusammen.

Ist „EU“ als Herkunft zu ungenau?

Das hängt davon ab, welche Frage man stellt.

Rechtlich ist die Sammelangabe für entsprechende Mischungen vorgesehen.

Für jemanden, der lediglich wissen möchte, ob die enthaltenen Öle aus der Europäischen Union stammen, liefert sie eine Antwort.

Wer dagegen wissen möchte, aus welchem Land, welcher Region, welcher Mühle oder von welchem Produzenten ein Öl stammt, bekommt diese Information damit nicht.

Beides sollte man nicht verwechseln.

Eine Angabe kann korrekt sein und trotzdem wenig erzählen.

Woran erkenne ich mehr Herkunftstransparenz?

An Präzision.

Ein einzelnes Ursprungsland ist geografisch konkreter als eine Sammelangabe für die Europäische Union.

Eine klar bezeichnete Region ist konkreter als ein Land.

Eine DOP oder IGP kann eine rechtlich definierte Verbindung zu einem bestimmten Gebiet herstellen.

Zusätzliche Angaben zu Produzent, Mühle, Olivensorten oder Ernte können das Bild weiter vervollständigen.

Keine dieser Informationen macht ein Öl automatisch besser.

Aber jede zusätzliche überprüfbare Information kann seine Herkunft nachvollziehbarer machen.

Was ist ein EU-Blend also?

Eine Mischung nativer Olivenöle mit Ursprung in mehr als einem Mitgliedstaat der Europäischen Union.

Nicht automatisch schlechter.

Nicht automatisch besser.

Und auch nicht automatisch verdächtig.

Ein Blend kann bewusst komponiert, sensorisch überzeugend und qualitativ hochwertig sein.

Die entscheidende Einschränkung liegt woanders:

Die allgemeine EU-Herkunftsangabe erzählt weniger darüber, welche konkreten Orte in der Flasche zusammenkommen.

Ein EU-Blend kann viel über Geschmack erzählen.

Über seinen genauen Ursprung erzählt er weniger.

Quellen

eur-lex.europa.eu trade.ec.europa.eu
WISSEN – Answers worth knowing.